Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit – das solltest du wissen
In der Schwangerschaft erhältst du Tipps von allen Seiten – von Freunden, den Schwiegereltern oder anderen Müttern. Aber diese vielen Meinungen sorgen oft vor allem für eins: Unsicherheit. Wir zeigen dir, worauf du bei der Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit wirklich achten solltest.
Gesunde Ernährung in der Schwangerschaft
Nährstoffreiche Lebensmittel sind in der Schwangerschaft essentiell
Weil die Ernährung in der Schwangerschaft eine Auswirkung auf das Kind hat, solltest du über einige Dinge Bescheid wissen. Dabei geht es vor allem um eine ausgewogene, gesunde Ernährung in der Schwangerschaft mit vielen frischen, nährstoffreichen Lebensmitteln. Dein Körper benötigt von Anfang an mehr Vitamine und Mineralstoffe. Der Kalorienbedarf ist dagegen weniger erhöht, als viele denken. Gerade bei der Ernährung in den ersten Wochen der Schwangerschaft musst du nicht mehr essen, zusätzliche Energie ist erst ab dem 2. Trimester notwendig. Durchschnittlich sind 250 Kilokalorien (kcal) ausreichend, im 3. Trimester dürfen es etwa 500 kcal mehr sein.
Achte dabei auf eine ausreichende Eiweißzufuhr: Werdende Mütter und Stillende brauchen etwas mehr Protein. Bevorzuge komplexe Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Gemüse und meide leere Kohlenhydrate aus Weißmehlprodukten, Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken. Eine solche Ernährung hilft, Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. Führe am besten einen Schwangerschaftskalender, der deine Gewichtszunahme dokumentiert. So kannst du einfach überwachen, ob diese im Rahmen bleibt. Vor allem im zweiten Abschnitt der Schwangerschaft (4. bis 6. Monat) kommt es zu einer deutlichen Gewichtszunahme, die jedoch von Frau zu Frau variieren kann. Wichtig ist dein Ausgangs-BMI als Vergleichswert.
Ernährungsregeln in der Schwangerschaft
Iss in der Schwangerschaft, was dir guttut
Du darfst in der Schwangerschaft natürlich essen, worauf du Appetit hast und was dir guttut. Es gibt allerdings einige Lebensmittel und Umwelteinflüsse, die du in deiner Ernährung während der Schwangerschaft meiden solltest, um das Risiko einer Infektion zu umgehen. Eine lange Liste mit Verboten ist nicht notwendig, kritisch sind nur wenige Nahrungsmittel. Große Gefahr geht von den Erregern der sogenannten Listeriose aus. Die Bakterien der Gattung Listeria können Infektionskrankheiten bei Tieren und Menschen hervorrufen. Auch die Toxoplasmose, eine parasitäre Infektionskrankheit, die vorwiegend Katzen befällt, kann das Ungeborene gefährden. Listerien und Toxoplasmose-Erreger finden sich vor allem in rohen tierischen Produkten, weshalb du diese meidest bzw. richtig verarbeiten solltest.
Lebensmittel mit erhöhter Toxoplasmose-Gefahr:
Rohes Fleisch
rosa gebratenes Fleisch
Mett und Tatar
Rohwurst wie Salami, Teewurst und Mettwurst
Lebensmittel mit erhöhter Listeriose-Gefahr:
rohe Milch und daraus hergestellter Käse – Hartkäse aus Rohmilch wie zum Beispiel Parmesan ist unbedenklich
abgepackter Reibekäse sowie Frischkäse aus offenen Gefäßen, Weichkäsesorten wie Camembert oder Brie
Raubfische aus dem Meer, beispielsweise Thunfisch oder Schwertfisch
rohes Fleisch
Was ist sonst noch bei der Ernährung in der Schwangerschaft zu beachten?
Um der Salmonellen-Gefahr aus dem Weg zu gehen, gestaltest du deine Ernährung in der Schwangerschaft besser auch ohne Lebensmittel, in denen rohe Eier verarbeitet werden. Dazu gehören Süßspeisen wie Tiramisu, Mousse au Chocolat oder Softeis. Bei Feinkostsalaten wie Fleischsalat oder Farmersalat gilt in der Schwangerschaft: Sie sollten nicht mit frischer Mayonnaise aus rohen Eiern angemacht sein. Industriell gefertigte, wärmebehandelte Produkte sind mit pasteurisierten Eiern hergestellt und in der Regel unkritisch. Waldpilze können einen erhöhten Gehalt an Schadstoffen aufweisen, daher sollten diese nur selten und in kleinen Mengen konsumiert werden. Weiterhin empfiehlt es sich, in der Schwangerschaft Salbei zu vermeiden, zumindest in großen Mengen. Das Küchengewürz kann Frühwehen auslösen. Viele beschäftigt auch die Frage, ob durch eine spezielle Ernährung in der Schwangerschaft Allergien des Kindes vorgebeugt werden kann. Experten raten davon ab, da ein Zusammenhang wissenschaftlich nicht belegbar ist. Du kannst und solltest also während der Schwangerschaft Nüsse essen oder auch andere potenziell allergene Lebensmittel.
Vegetarische oder vegane Ernährung in der Schwangerschaft
Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist wichtig für dein Baby
Sind Milchprodukte und Eier enthalten, kann eine vegetarische Ernährung während der Schwangerschaft die nötigen Nährstoffe liefern. Wichtig ist, dass du in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft Folat (Folsäure) zur vollständigen Entwicklung des Neuralrohres am Kind zu dir nimmst sowie Jod zur Bildung von Schilddrüsenhormonen, die das Wachstum anregen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren täglich 550 Mikrogramm Folat und 230 Mikrogramm Jod. Da sich dieser Bedarf über die Ernährung in der Schwangerschaft nicht decken lässt, verschreibt der Arzt in der Regel ein Folsäurepräparat und Jodtabletten. Wenn deine Ernährung während der Schwangerschaft keinen Fisch vorsieht, kommt zusätzlich die Einnahme von 200 Milligramm Docosahexaensäure (DHA), einer wichtigen ungesättigten Fettsäure, infrage. Individuelle Mängel, etwa an Eisen, solltest du mit deinem Arzt besprechen.
Eine vegane Ernährung kann in der Schwangerschaft kompliziert sein, da die Versorgung mit allen wichtigen Vitalstoffen für Mutter und Kind möglicherweise nicht gegeben ist. Experten streiten sich darüber. Eine Möglichkeit ist es, in der Zeit der Schwangerschaft die vegane Ernährung durch eine ausgewogene gesunde Mischkost zu ersetzen. Wer das aus ethischen Gründen nicht möchte, sollte in ärztlicher Obhut und Kontrolle eine Reihe von Vitaminen und essenziellen Nährstoffen supplementieren. So kann etwa der Jodgehalt in Lebensmitteln nicht ausreichen und eine Ergänzung sinnvoll sein.
Flüssigkeitsbedarf in der Schwangerschaft
Der Flüssigkeitsbedarf steigt während der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft solltest du etwas mehr als gewöhnlich trinken. Dein Durstgefühl wird es dir in der Regel ohnehin signalisieren. Wichtig ist, dass du vorwiegend zu ungesüßten Getränken wie Wasser oder beispielsweise Tee greifst. Auf Softdrinks wie Cola oder Limonade solltest du in der Schwangerschaft verzichten. Der Grund: Eine zu hohe Zufuhr an Zucker kann einen Schwangerschaftsdiabetes begünstigen. Dieser wirkt sich nicht nur negativ auf die Gesundheit der werdenden Mutter aus, sondern auch auf das ungeborene Baby. Als mögliche Folge gilt eine Schädigung bei der kindlichen Entwicklung des Gehirns. Getränke und Ernährung in der Schwangerschaft haben also direkte Auswirkungen auf das Kind. Auch von hohen Koffeinmengen wird abgeraten (maximal drei Tassen Kaffee am Tag).
Ernährungsregeln für Mütter während der Stillzeit
Ernährung in der Stillzeit: Höre auf dich und dein Baby
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung für die ganze Familie sollte über die Schwangerschaft hinaus fortgesetzt werden. Achte weiterhin darauf, viel zu trinken – am besten ungesüßte Getränke –, denn während der Stillzeit solltest du laut DGE etwa zwei bis drei Liter pro Tag zu dir nehmen. Iss täglich mehrfach frisches Obst, Gemüse, Salat und dazu Vollkornprodukte als Beilage. Du solltest zudem täglich Milch und/oder Milchprodukte, Mineralwasser und Vollkornbrot zu dir nehmen, da während der Stillzeit der Calcium-Bedarf erhöht ist. Generell ist dein Tagesbedarf an Kalorien etwas höher während der Stillzeit. Dieses Mehr an Kalorien solltest du durch gesunde Snacks abdecken. Diese helfen dabei, Mutter und Kind mit wertvollen Nährstoffen zu versorgen.
In der Stillzeit darfst du wieder alle Lebensmittel essen, die du und dein Säugling gut vertragen. Die genaue Beobachtung deines Babys gibt dir Aufschluss, ob beispielsweise Zwiebeln oder Knoblauch den Geschmack der Muttermilch verändern und ob dein Baby dies merkt. Mitunter reagieren Babys auf Stoffe in der Muttermilch auch mit Unruhe (beispielsweise nach übermäßiger Koffein-Aufnahme), Blähungen oder einem wunden Po. Alkohol sollte auch in der Stillzeit vermieden werden.
TIPP VON HEBAMME Tatjana:
Meine Tochter reagierte auf alles, auf das ich mit Blähungen reagierte. Zwiebeln, Kohl, Erbsen und Bohnen, Mais und Knoblauch, Fertiggerichte und süßes Hefegebäck.