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Fastnacht und Karneval im Südwesten

Fastnacht, Fasnet, Faasend, Karneval oder Fasching: Überall im Südwesten Deutschlands wird die fünfte Jahreszeit gefeiert – unter verschiedenen Namen und mit vielen Bräuchen. Hier stellen wir Ihnen einige vor und gehen der Frage nach, was Wurst, Krapfen und andere kulinarische Verlockungen mit der närrischen Zeit zu tun haben.

Warum geht’s um die Wurst?

Die Antwort auf diese Frage liefern schon die unterschiedlichen Namen: Die Fastnacht, wie die „tollen Tage“ vor allem bei uns im Südwesten genannt werden, ist die Nacht vor der Fastenzeit. Gleiches gilt auch für regionale Bezeichnungen wie Fasnet (in weiten Teilen Baden-Württembergs), Faasend (im Saarland) oder Fassenacht (in Rheinhessen und Hessen).
Der Begriff Karneval, der von Rheinland-Pfalz über Köln bis Venedig und Rio de Janeiro gebräuchlich ist, leitet sich von „carnis levamen“ ab. Im Kirchenlatein bedeutet das so viel wie „Fleischwegnahme“. Und auch die unter anderem in Bayern übliche Bezeichnung Fasching hat eine ähnliche Herkunft: vom mittelhochdeutschen „vastschang“, also dem Ausschank des Fastentrunks.
All diese Begriffe bezeichnen das Schwellenfest vor der Fastenzeit. Ein letztes Mal dürfen all die Köstlichkeiten wie Fleisch, Wurst, Schmalz, Eier, Milch, Butter und Alkohol genossen werden, die im Anschluss von Aschermittwoch bis Ostern tabu sind. Vor allem in früheren Jahrhunderten, als Verstöße gegen die kirchlichen Fastengebote noch streng bestraft werden konnten, musste diese Gelegenheit natürlich ausgiebig genutzt – und später auch gemeinsam gefeiert werden.

Schlemmen in der fünften Jahreszeit

Nach und nach entwickelten sich Bräuche, die teilweise bis ins Mittelalter zurückreichen. In großen Städten rückten die Feierlichkeiten zunehmend ins öffentliche Leben und wurden maßgeblich von den Handwerkszünften vorangetrieben. Besonders die Metzger, deren Einkünfte in der Fastenzeit wegbrachen, spielten hier eine wichtige Rolle. Kein Wunder also, dass Würste noch heute vielerorts eine große Rolle spielen. Ein Beispiel ist die sogenannte „Narrenwurst“ in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Dabei handelt es sich um ein Symbol für die fleischlichen Gelüste aus Leder und Rosshaar. Häufig werden aber auch echte Würste angeboten: Im badischen Laufenburg und in weiteren Gemeinden werden sie unter anderem beim Umzug unters Volk gebracht wie anderswo Süßigkeiten. Und auch in Mainz sind „Weck, Worscht und Woi“ (Brötchen, Wurst und Wein) ein traditionelles Fastnachtsgericht.
Es gibt noch viele weitere Beispiele für fleischliche Genüsse in der närrischen Zeit. Was wären etwa die deftigen Suppen und Eintöpfe, die es an diesen Tagen fast überall zur Stärkung gibt, ohne Speck, Würstchen oder andere Fleischeinlagen? Die Althistorische Narrenzunft Offenburg verteilt zum Beispiel am Schmotzigen Donnerstag traditionell ihre beliebte Bohnesupp’ bei der „Fasentdaifi“ – der Taufe der Fastnachtskinder. Im E center Offenburg gibt es die Bohnesupp’ auch zum Selberkochen für zu Hause. Verkauft werden die Suppenpakete an einem närrisch dekorierten Stand im Eingangsbereich. Das Beste daran: Der Erlös der verkauften Pakete wird an gemeinnützige Organisationen gespendet – im Vorjahr beispielsweise zugunsten des Kinderschutzbundes. Unterstützen auch Sie mit dem Kauf diese tolle Aktion und genießen Sie ein Stück Fasent daheim!

Rezepte für deftige Leckereien

Bohnensuppe
Bohnensuppe
  • 45 min.

  • Leicht

Alle Zutaten für den deftigen Fastnachts-Schmaus bekommen Sie übrigens in Ihrem EDEKA-Markt. Inspirationen finden Sie auch auf Metzgergenuss, dem Facebook-Kanal von EDEKA Südwest Fleisch. Den passenden Tropfen gibt es vom Ortenauer Weinkeller. Und wer viel feiert, sollte daran denken, ausreichend Wasser zu trinken. Kennen Sie schon das große Sortiment von Schwarzwald-Sprudel?

Keine Fastnacht ohne Krapfen

Nach den strengen Fastenregeln sind auch andere tierische Lebensmittel wie Schmalz, Eier, Milch und Butter verboten. Entsprechend zählt Schmalzgebäck ebenfalls zu den typischen Fastnachtsleckereien. Denn ob badische Scherben, Fastnachtsküchle, Rheinische Mutzen, Berliner oder Faschingskrapfen – sie alle haben gemeinsam, dass oben genannte Zutaten in den Teig kommen und sie in Schmalz – oder heute zumeist in Pflanzenfett – ausgebacken werden. Übrigens: Viele süße „Sünden“ wie Berliner mit Smarties oder mit Eierlikör-Füllung gibt es in Ihrer Markt-Bäckerei. Oder wie wäre es mit einer herzhaften Partybrezel?

O du lustige Narrenzeit

Wohl erst im 15. Jahrhundert hielten die heute üblichen Kostüme und Masken Einzug in Fastnacht und Karneval – vermutlich als ganz bewusste Reaktion auf die „Verteufelung“ des fastnächtlichen Treibens durch strenge Theologen. Es ist also kein Zufall, dass Teufel, Dämonen und Hexen noch immer zu den gängigen Gestalten vor allem der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören. Die wahrscheinlich markanteste Figur ist allerdings der Narr geworden. Narren finden sich sowohl bei den großen Umzügen der Karnevals-Hochburgen als auch in den Gassen der Straßenfastnacht im schwäbisch-alemannischen Raum wieder – und nicht zuletzt im Sprachgebrauch: etwa im rheinländischen Synonym „Jeck“ oder in Form des Fasnet-Rufs „Narri, Narro“.
Auch in vielen Bräuchen ist der freche, unverschämte Narr allgegenwärtig, etwa indem er seinen Mitmenschen im Narrenspiegel die Verfehlungen des Jahres vorhält. Besonders prominent wird das zum Beispiel beim Narrengericht in Stockach nahe des Bodensees zelebriert, wo sich jedes Jahr Persönlichkeiten aus der Landes- oder Bundespolitik als „Angeklagte“ verantworten müssen. Alltäglicher geht es beim „Strählen“ zu, wenn also die Narren in Häs (Kostüm) und Larve (Maske) ihren Bekannten auf der Straße oder im Wirtshaus auf humorvolle Weise vermeintliche Wahrheiten ins Gesicht sagen. „Schnurren“, „hecheln“, „welschen“, „aufsagen“ und „intrigieren“ sind weitere regionale Bezeichnungen für diese Art der Bräuche, bei denen die Mitmenschen mit Witzen oder Sprüchen gerügt, aber nie beleidigt werden.
In der Tradition des Narren stehen auch die Büttenredner bei den Karnevalssitzungen in Mainz, Trier oder Koblenz, die – zumindest ursprünglich – satirische Kritik am politischen und gesellschaftlichen Geschehen üben. Und natürlich stürmen zu Beginn der Fastnacht überall im Südwesten Narren die örtlichen Rathäuser, um während der fünften Jahreszeit die Macht zu übernehmen und die gewohnte Ordnung außer Kraft zu setzen.