Welche Weingeschmacksrichtungen gibt es?
Antwort in aller Kürze
Die Weingeschmacksrichtungen beschreiben in erster Linie den Restzuckergehalt im Wein und unterscheiden sich in trocken, halbtrocken, lieblich und süß. Trockene Weine enthalten wenig Zucker und haben oft eine spürbare Säure oder Herbe, während liebliche Weine eine deutliche Süße aufweisen. Zusätzlich prägen die Aromen das Profil: fruchtig, blumig, würzig oder mineralisch. Auch der Ausbau im Holzfass beeinflusst den Geschmack durch zum Beispiel Vanillenoten. Wer die Weingeschmacksrichtungen kennt, findet leichter den passenden Begleiter zum Essen.
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Weingeschmacksrichtungen verstehen: mehr als trocken oder süß
Vielleicht hast du schon einmal vor dem Weinregal gestanden und dich gefragt, welcher Wein wohl am besten zu deinem geplanten Abendessen passt. Die Etiketten sind voll von Begriffen wie „trocken“ oder „im Barrique gereift“, doch was sagen diese Bezeichnungen über das Erlebnis im Glas aus?
Jede Weinsorte bringt ihre eigenen Geschmacksrichtungen und Aromen mit, die je nach Rebsorte und Herstellungsmethoden variieren:
Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, da es gesetzlich geregelte Begriffe gibt, die den Zuckergehalt definieren, und sensorische Beschreibungen, die den Charakter und die Aromen des Weins malen.
Die vier gesetzlichen Weingeschmacksrichtungen
Wenn du auf ein Etikett schaust, findest du fast immer eine der vier klassischen Angaben zum Restzucker. Diese Weingeschmacksrichtungen sind EU-weit geregelt und geben dir einen ersten Hinweis darauf, wie süß der Wein schmeckt.
| 1. trocken | 2. halbtrocken | 3. lieblich | 4. süß |
Eingrenzung | ist durchgegoren (die Hefe hat den Zucker der Traube fast vollständig in Alkohol umgewandelt) | hat etwas mehr Restsüße, schmeckt aber noch nicht klebrig süß (die Süße puffert hier oft eine hohe Säure ab) | die Süße steht deutlich im Vordergrund (der Zuckergehalt ist höher als die Säure oder die Gerbstoffe, was den Wein sehr weich macht) | edelsüße Spezialitäten wie Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen oder Eiswein |
Geschmack |
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Restzucker |
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Küchenpraxis |
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Tipp: Bei deutschem Wein liest du oft das Wort „feinherb“. Dies ist keine gesetzliche Definition, sondern ein populärer Begriff für Weine, die geschmacklich zwischen halbtrocken und lieblich liegen, also etwas süßer als klassisch halbtrocken, aber noch nicht richtig süß.
Welche Aromen beeinflussen die Weingeschmacksrichtungen?
Abseits vom Zuckergehalt entscheidet das Aroma darüber, ob dir ein Wein schmeckt. Hier wird es kulinarisch und bildhaft. Diese Geschmacksangabe beim Wein hilft dir, den Charakter zu erfassen.
Fruchtig: der Korb voller Obst
Fruchtiger Wein muss nicht süß sein. Auch ein trockener Wein kann intensiv nach Frucht schmecken.
Sorten:
Weißweine aus Zitrusfrüchten, Kernobst oder exotischen Früchten
Rotweine aus roten oder dunklen Beeren oder Steinobst
Fruchtige Weine passen zu sommerlichen Salaten, Pasta oder einfach als Glas am Abend. Ein klassisches Beispiel ist der Sauvignon Blanc.
Blumig: ein Strauß im Glas
Blumige Weine duften oft intensiv und parfümiert. Sie enthalten zum Beispiel Duftnoten von Rose, Jasmin, Veilchen oder Holunderblüte.
Sorten:
Rebsorten wie Gewürztraminer, Muskateller oder Scheurebe
Auch manche Rieslinge zeigen feine Blütennoten
Sie harmonieren optimal mit aromatischen Gerichten, wie etwa indischen Currys, können olfaktorisch gegen kräftige Gewürze bestehen und sind oft hervorragende Aperitifs.
Würzig: Pfeffer und Kräuter
Würze verleiht Weinen Tiefe und Komplexität.
Beliebt sind vor allem Aromen von schwarzem oder weißem Pfeffer, Nelken, Muskatnuss, Lakritz, Tabak oder grünen Kräutern (Paprika oder Eukalyptus).
Sorten:
Syrah (Shiraz) ist berühmt für seine pfeffrige Note
auch Grüner Veltliner zeigt oft ein „Pfefferl“
Würzige Rotweine sind optimale Partner für geschmortes Fleisch, Wildgerichte oder kräftige Eintöpfe. Die Würze im Wein spiegelt die Würze im Essen wider.
Holz und Vanille: der Einfluss des Fasses
Auf dem Etikett steht „im Barrique gereift“. Diese Weingeschmacksrichtung kommt nicht aus der Traube, sondern aus dem Kontakt mit Eichenholz. Durch das Ausbrennen der Fässer gelangen diese Röstaromen in den Wein. Gleichzeitig macht der Holzkontakt den Wein oft weicher und runder.
Sorten:
Weißweine wie Chardonnay oder Viognier
Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Rioja oder Merlot
Typische Charaktere sind Vanille, Karamell, Toast, Rauch, Kaffee, Schokolade oder Kokos, die gut zu Steak vom Grill, Pilzgerichten oder reifem Hartkäse passen. Leichte Gerichte würden von diesen Aromen erschlagen werden.
Mineralisch: der Boden im Glas
Mineralischer Wein ist schwer zu greifen, aber auf der Zunge spürbar. Er ist das Gegenstück zu „fruchtig“ oder „blumig“ und schmeckt unter anderem nach nassem Stein, Kreide, Feuerstein und Jod mit salziger Note. Er wirkt oft karg, präzise und sehr frisch.
Sorten:
Weißweine wie Riesling aus Schiefer- oder Quarzitböden oder Chablis aus dem Burgund
Rotweine wie Pinot Noir aus kühleren Regionen
Diese Sorten passen hervorragend zu Meeresfrüchten (Austern, Garnelen) oder gedünstetem Fisch. Vor allem Weine aus kühleren Regionen oder von steilen Hängen (wie Mosel-Riesling oder Chablis) zeigen diese Charakteristik.
Achtung bei Sekt: verwirrende Geschmacksangaben
Eine häufige Falle beim Einkauf lauert im Sektregal, denn die Sektbezeichnungen unterscheiden sich von denen bei Stillweinen. Ein trockener Sekt und Champagner schmeckt oft süßer als ein trockener Wein. Die Skala reicht von trocken (naturherb) bis sehr süß (mild). Für einen trockenen Geschmack wie bei Weißweinen greife zu „brut“ oder „extra brut“, da bei „trocken“ bereits mehr Restsüße enthalten ist.
Die EDEKA RedaktionDie Weingeschmacksrichtungen geben dir nicht nur einen Hinweis auf den Zuckergehalt, sondern auch auf das Aroma des Weins. Fruchtige, blumige oder würzige Noten können den Geschmack im Glas völlig verändern und dir helfen, den passenden Wein für dein Gericht zu finden.
Körper, Tannine und Säure: das Gefühl im Mund
Neben dem Geschmack spielt die Haptik im Mund eine große Bedeutung für die Weingeschmacksrichtungen:
Säure: Sie sorgt für Frische und „Zug“ am Gaumen und macht den Wein lebendig. Zu viel Säure kann scharf wirken. Fettige Speisen profitieren von säurehaltigem Wein.
Tannine: Sie sind hauptsächlich in Rotwein enthalten und machen den Wein weicher. Tannine erzeugen ein pelziges, trockenes Gefühl im Mund. Solche Weine harmonieren gut mit Fleisch.
Körper: Damit wird das Gewicht des Weins im Mund beschrieben. Ein höherer Alkoholgehalt sorgt für mehr Körper und ein wärmendes Gefühl.
Die Welt der Weingeschmacksrichtungen ist vielseitig und hilft dir, Fehlkäufe zu vermeiden und deine Vorlieben besser zu definieren. Die Geschmacksnote und Herkunft prägen hingegen das gesamte Mundgefühl und zeigen dir den idealen Wein für jedes Gericht.