Palmöl: Unsere Anforderungen an die Beschaffung

Wusstest du, dass Palmöl zu den weltweit meistverwendeten Pflanzenölen zählt? Gemeinsam mit dem WWF engagieren wir uns dafür, Umwelt- und Sozialrisiken im Palmölanbau zu adressieren. Für EDEKA-Eigenmarken haben wir daher unter anderem Anforderungen an die Verwendung von RSPO-zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl sowie Palm(kern)-basierten Derivaten festgelegt.

 Wie und warum das so wichtig ist, erfährst du hier.

Der Anbau von Palmöl ist nach wie vor mit Entwaldungs- und Umwandlungsrisiken sowie weiteren Umwelt- und Sozialherausforderungen verbunden.

Da Palmöl das ertragreichste Pflanzenöl weltweit ist und sich zudem vielfältig verarbeiten lässt, ist es auch in einer Vielzahl der EDEKA-Eigenmarken vorhanden. Ob in Schokolade, Brotaufstrichen, Fertiggerichten oder im Waschmittel – Palmöl ist nicht wegzudenken. Daher muss die Vermeidung und, wo dies nicht möglich ist, die Verringerung der mit dem Palmölanbau verbundenen Umwelt- und Sozialauswirkungen das Ziel sein.

Um Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Transparenzstandards im Palmölanbau weiterzuentwickeln, ist EDEKA bereits seit 2012 Mitglied im Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) und engagiert sich in öffentlichen Konsultationen für die stetige Verbesserung des RSPO-Standards.

Für die Produktion von EDEKA-Eigenmarken haben wir die Verwendung von RSPO zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl sowie palm(kern)-basierten Derivaten und Fraktionen verpflichtend gemacht. Wir haben das Palmöl, Palmkernöl und andere palm-basierte Rohstoffe in EDEKA-Eigenmarken nahezu vollständig auf nachhaltigere, RSPO-zertifizierte Ware umgestellt. Rund 76 Prozent der verwendeten palmbasierten Rohstoffe werden über segregierte Lieferketten (s. auch RSPO Segregated  weiter unten) bezogen und wir arbeiten daran, das Zertifizierungsniveau fortlaufend zu verbessern.

Darüber hinaus haben wir uns als Mitglied des RSPO verpflichtet, gemeinsam mit den anderen Akteuren der Lieferkette („Shared Responsibility“ Ansatz) Verantwortung für die Umsetzung der RSPO-Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Transparenzstandards im Palmölanbau zu übernehmen, die für die Weiterentwicklung von Palmöllieferketten relevant sind.

Jeder Akteur der Lieferkette übernimmt diese Verantwortung für den eigenen Geschäftsbereich und trägt somit dazu bei, die Anforderungen des RSPO entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Erfahre mehr über den „Shared Responsibility“ Ansatz und zu EDEKAs Beitrag zur „Shared Responsibility“.

Wofür steht der RSPO? – Kriterien und Prinzipien des RSPO

Die Organisation RSPO steht für "Roundtable on Sustainable Palm Oil"; englisch für "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl". Die Prinzipien und Kriterien des RSPO enthalten u.a. Anforderungen zum Schutz von Wäldern und anderen wertvollen (Wald)Ökosystemen sowie zur Wahrung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten.

So dürfen im Rahmen des RSPO-Zertifizierungs-Standards1 unter anderem:

  • Keine Flächen mit hohem Schutzwert (High Conservation Value, HCV2) oder High-Carbon-Stock-Flächen3 bzw. Wälder (HCS) gerodet oder geschädigt werden.

    (Original) Land clearing does not cause deforestation or damage any area required to protect and/or enhance High Conservation Values (HCVs) and/or High Carbon Stock (HCS) forests. HCVs and HCS forests in the managed area are identified, protected, and/or enhanced.

  • Seit dem 15. November 2018  ist zudem die Neuanpflanzung von Ölpalmen auf Torfböden4 untersagt.

    (Original) The Unit of Certification shall prohibit land clearing on peatland (regardless of depth) after the cut-off date of 15 November 2018. All plantings on peatland before the cut-off date shall be managed responsibly. All unplanted and set-aside peatlands are protected and conserved.

  • Darüber hinaus darf zum Schutz der Boden kein Feuer zur Landvorbereitung bzw. Brandrodung vorgenommen werden.

    (Original) The Unit of Certification shall prohibit the use of fire for land preparation of new plantings, development, and/or replanting.

  • der Einsatz von hochgefährlichen Pestiziden5 wird stark eingeschränkt (Ausnahmen sind nur unter eng begrenzten Bedingungen möglich)

    (Original) Restricted and hazardous pesticides that endanger the health of workers, families, communities, or the environment shall not be used, unless in exceptional circumstances as validated by a due diligence process or when authorised by government authorities for pest outbreaks. (…)

1RSPO Principles & Criteria 2024, Version 4.2 2024-RSPO-Principles-and-Criteria-–-Version-4.2_Booklet_.pdf), verpflichtende Anwendung ab 1. Juni 2026

Für die Einhaltung der Anforderungen zur Land-Erschließung setzt der RSPO sogenannte Cut-Off Dates fest. Seit November 2005 dürfen keine Primärwälder oder andere Gebiete, die zum Schutz oder zur Aufwertung von High Conservation Values erforderlich sind, für den Anbau von Ölpalmen geschädigt werden. Für die Anwendung des HCV- HCS- Ansatzes bzw. die Bewertung von Entwaldung und Umwandlung gilt der 15. November 2018 als maßgeblicher Stichtag. Neben den ökologischen Kriterien umfasst der RSPO auch einige soziale Kriterien, wie u.a. den Ausschluss von Kinderarbeit6 , die Sicherstellung einer angemessenen Entlohnung (Decent Living Wage)7, die Förderung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und die Einhaltung gesetzlicher Regeln bezüglich Landnutzungs- und Eigentumsrechte. Die Einhaltung aller Anforderungen wird von anerkannten, unabhängigen Prüfinstitutionen kontrolliert.

2-7Es handelt sich um Auszüge aus dem Kriterienkatalog des RSPO. Für die vollständigen Kriterien zur Erfüllung der RSPO-Vorgaben siehe: 2024-RSPO-Principles-and-Criteria-–-Version-4.2_Booklet_.pdf

Die RSPO-Zertifizierungs-Standards ‒ verständlich erklärt

Bei der Beschaffung von RSPO-zertifiziertem Palmöl, Palmkernöl und palm(kern)-basierten Derivaten und Fraktionen gibt es verschiedene Lieferkettenmodelle. RSPO unterscheidet zwischen Identity Preserved, Segregated, Mass Balance und RSPO Credits/Book & Claim. Je nach Modell unterscheidet sich, ob der physische palm(kern)-basierte Rohstoff im Endprodukt vollständig aus zertifizierten Quellen stammt oder ob die Unterstützung zertifizierter Produktion über Mengenbilanzierung bzw. Zertifikate erfolgt.

RSPO Identity Preserved

Bei Identity Preserved handelt es sich um RSPO-zertifiziertes Palmöl aus einer einzigen identifizierbaren zertifizierten Quelle. Das Palmöl wird in der gesamten Lieferkette von anderem Palmöl getrennt.

RSPO Segregated

Beim RSPO Segregated wird RSPO-zertifiziertes Palmöl entlang der gesamten Lieferkette getrennt von nicht zertifiziertem Palmöl verarbeitet. Eine Vermischung mit anderem, ebenfalls RSPO-zertifiziertem Palmöl aus weiteren zertifizierten Quellen ist möglich. Im Endprodukt befindet sich daher ausschließlich RSPO-zertifiziertes Palmöl.

RSPO-Lieferkettenmodell „Mass Balance“

Beim Modell Mass Balance wird genau so viel RSPO-zertifiziertes Palmöl verkauft, wie eingekauft wurde. Zertifizierte und nicht zertifizierte Materialströme werden dabei nicht physisch getrennt. Daher kann das physische Palmöl im Endprodukt auch nicht zertifizierte Anteile enthalten.

RSPO Credits/Book & Claim

Beim Modell RSPO Credits, auch Book & Claim genannt, werden zertifizierte Mengen über handelbare Credits abgebildet. Ein RSPO Credit entspricht einer Tonne RSPO-zertifiziertem Palmöl. Der Kauf und die Einlösung solcher Credits unterstützt zertifizierte Produzenten, bedeutet jedoch nicht, dass sich physisch RSPO-zertifiziertes Palmöl im jeweiligen Endprodukt befindet. Für Aussagen gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern sind die jeweils geltenden RSPO-Regeln zu Marktkommunikation und Claims zu beachten.

Hinweis: Die Lieferkettenmodelle werden anhand von Palmöl beschrieben, gelten aber genauso für Palmkernöl, Palmkernexpeller und palm(kern)-basierte Derivate & Fraktionen.

Du möchtest mehr über das Thema Palmölerfahren?? Lies hier mehr zu dem meistverwendetem Pflanzenöl der Welt und zu den Umwelt- und Sozialaspekten, die im Zusammenhang mit seinem Anbau diskutiert werden.

Im Folgenden die Definitionen im englischen Original:

The areas necessary to maintain or enhance one or more High Conservation Values (HCVs):

  • HCV 1 – Species diversity. Concentrations of biological diversity including endemic species, and rare, threatened or endangered (RTE) species, that are significant at global, regional, or national levels.

  • HCV 2 – Landscape-level ecosystems, ecosystem mosaics, and Intact Forest Landscapes (IFL). Large landscape-level ecosystems, ecosystem mosaics, and IFL that are significant at global, regional, or national levels, and that contain viable populations of the great majority of the naturally occurring species in natural patterns of distribution and abundance.

  • HCV 3 – Ecosystems and habitats. RTE ecosystems, habitats, or refugia.

  • HCV 4 – Ecosystem services. Basic ecosystem services in critical situations, including protection of water catchments and control of erosion of vulnerable soils and slopes.

  • HCV 5 – Community needs. Sites and resources fundamental for satisfying the basic necessities of local communities or indigenous peoples (for livelihoods, health, nutrition, water, etc.), identified through engagement with these communities or indigenous peoples.

  • HCV 6 – Cultural values. Sites, resources, habitats, and landscapes of global or national cultural, archaeological, or historical significance, and/or of critical cultural, ecological, economic, or religious/sacred importance for the traditional cultures of local communities or indigenous peoples, identified through engagement with these local communities or indigenous peoples.

Forests that have been identified using the High Carbon Stock Approach (HCSA) Toolkit Version 2.0

Peat

A soil with cumulative organic layer(s) comprising more than half of the upper 80 cm or 100 cm of the soil surface, containing 35% or more of organic matter (35% or more Loss on Ignition) or 18% or more organic carbon. Note for management of existing plantations in Malaysia and Indonesia, a narrower definition has been used, based on national regulations, namely: soil with an organic layer of more than 50% in the top 100 cm, containing more than 65% organic matter.

Peatlands

Peatlands are wetland ecosystems where soils are dominated by peat. In peatlands, net primary production exceeds organic matter decomposition as a result of waterlogged conditions, which leads to the accumulation of peat.

Pesticides that are acknowledged to present particularly high levels of acute or chronic hazards to health or the environment according to internationally accepted classification systems such as the World Health Organization (WHO), or the Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS), or their listing in relevant binding international agreements or conventions. In addition, pesticides that appear to cause severe or irreversible harm to health or the environment under conditions of use in a country may be considered to be, and treated as, highly hazardous.

Child labour is work that deprives children of their childhood, their potential, and their dignity, and that is harmful to physical and mental development. The term applies to:

  • All children under 18 involved in the “worst forms of child labour”, per the ILO Worst Forms of Child Labour Convention, 1999 (No. 182);- All children aged under 12 taking part in economic activity; and

  • All 12 to 14-year-olds engaged in more than light work.

The ILO defines ‘light work’ as work that is not likely to be harmful to children’s health or development and not likely to be detrimental to their attendance at school or vocational training. Those under 18 years old should not engage in hazardous work that might jeopardise their physical, mental, or moral well-being, either because of its nature or the conditions under which it is carried out. For young workers above the legal minimum age but below 18, there should be restrictions on hours of work and overtime; working at dangerous heights; with dangerous machinery, equipment and tools; transport of heavy loads; exposure to hazardous substances or processes; and difficult conditions such as night work at night.

The remuneration received for a standard workweek by a worker in a particular place sufficient to afford a decent standard of living for the worker and her or his family. Elements of a decent standard of living include food, water, housing, education, health care, transportation, clothing, and other essential needs including provision for unexpected events.