Unser Zitrus-Projekt | EDEKA & WWF
Seit über 10 Jahren arbeitet EDEKA als einziger Lebensmittelhändler in Deutschland gemeinsam mit dem WWF daran, den konventionellen Zitrusanbau in Spanien schrittweise weiterzuentwickeln. Auf ausgewählten Farmen werden Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität sowie zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser- und Bodenressourcen umgesetzt. Dort wachsen unsere saftigen Zitrusfrüchte.
Herausfordeurngen im Zitrusanbau
Zitrusfrüchte sind bei uns vor allem im Winter, wenn es kaum heimische Obst-Sorten gibt, beliebt. Während die Clementinen überwiegend in Nordspanien angebaut werden, befindet sich eines der wichtigsten Anbaugebiete für Orangen und Mandarinen in Andalusien. Die sonnenverwöhnte Region in Europa ist eines der Zentren des spanischen Obst- und Gemüseanbaus und bekannt für ihre aromatisch duftenden Orangenbäume. Insbesondere durch die größtenteils konventionelle landwirtschaftliche Nutzung und dem damit verbundenen Anbau von Obst und Gemüse in Monokulturen, sowie dem hohen Einsatz an Pflanzenschutzmittel, kommt es zu einer Belastung der Ökosysteme und der lokalen Wasserressourcen.
Von der Sonne geküsst: Optimierung des Anbaus von Zitrusfrüchten
Der Fokus des Zitrus-Projekts liegt auf Maßnahmen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Wasser, dem reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmittel, der verantwortungsvolleren Düngung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie dem Erhalt und der Förderung der biologischen Vielfalt und der vorhandenen Ökosysteme.
Dank dieser Maßnahmen stammen die Orangen, Mandarinen und Clementinen von Projektfarmen, die am gemeinsamen EDEKA-WWF-Zitrusprojekt teilnehmen.
Die vier Grundpfeiler des EDEKA WWF Zitrus-Projekts
Verbessertes Wassermanagement
Die Forschung rechnet damit, dass verfügbares Wasser in der nahen Zukunft deutlich knapper wird. Für die Projektregionen gehen Prognosen von einem Rückgang des verfügbaren Wassers um durchschnittlich 7 bis 11% bis 2040 aus, verglichen mit 2010. Schon jetzt sind die Effekte des Klimawandels deutlich zu sehen und zu spüren. Im Zitrus-Projekt ist daher die effizientere Wassernutzung auf den Farmen und im Flussgebiet ein zentraler Arbeitsschwerpunkt. Alle Produzenten verpflichten sich, ihre Bewässerung an die Prognosen für die Projektregion anzupassen und daraus resultierend Wasser einzusparen. Durch den Einsatz von Technologien wie Boden-Feuchtigkeitssonden arbeiten die Betriebe an einer effizienteren Bewässerung. Gemeinsames Ziel ist es, die Bewässerung möglichst bedarfsgerecht zu steuern und durch Waser einzusparen, ohne Qualität und Produktionsmenge zu beeinträchtigen.
Boden-Feuchtigkeitssonden sind für alle Farmen ab dem zweiten Jahr im Projekt Pflicht. Sie liefern den Produzenten wertvolle Erkenntnisse und ermöglichen es, die Bewässerung der Zitrusbäume mit Niederschlägen, Außentemperaturen sowie der Bodenbeschaffenheit abzugleichen und passgenau auf die Bedürfnisse der Bäume auszurichten. Für die Zitrus-Produzenten bedeutet das eine stärker am tatsächlichen Wasserbedarf der Bäume ausgerichtete Bewässerung.
In der Saison 2020/21 konnten die Fincas zusammen 1.824 Millionen Liter Wasser einsparen (im Vergleich zur gesetzlich erlaubten Menge). Das entspricht der Wassermenge von mehr als 700 Olympia-Schwimmbecken. Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche Wasserverbrauch auf den Projektfarmen bei 3.864 m³ pro Hektar. Im Vergleich dazu verbraucht der konventionelle Zitrusanbau in Spanien laut dem spanischen Landwirtschaftsministerium zwischen 6.000 und 9.000 m³ pro Hektar. Das bedeutet: Die Projektfarmen kommen mit rund 36% weniger Wasser aus – bezogen auf den niedrigsten Wert im konventionellen Anbau.
Des Weiteren engagieren wir uns im Rahmen des Zitrus-Projekts über die Betriebsgrenzen hinaus und wollen auch andere Akteure in der Region, für einen effizienteren Umgang mit Wasser gewinnen. 2019 wurden zum ersten Mal gemeinsame Aktionen durchgeführt: An einer Aufräumaktion am Ufer des Guadalquivir im Bereich einer Projektfarm beteiligten sich z.B. die Produzenten, das Projektteam und Vertreter der lokalen Gemeinde. Seit mehreren Jahren findet außerdem z. B. ein reger Austausch mit der Wasserbehörde in Valencia statt. Hier sind nach einer Vor-Ort-Präsentation des Zitrus-Projektes in der Behörde unsere Projektmaßnahmen auch in den Prozess der 5‑Jahres-Wasserplanung der gesamten Region Valencia eingeflossen. Zudem stellen punktuell Projektfarmen ihre Infrastruktur zur Verfügung, um bei Messungen des Grundwasserspiegels und der Wasserqualitäten zu unterstützen. Auch im Obst- und Gemüsesektor geht EDEKA voran. So wurden auf einer öffentlichen Veranstaltung auf der Fruit-Attraction-Messe in Madrid die Projektfortschritte von Vertretern von EDEKA, Landwirtschaft, NGOs und Fachexperten kommuniziert.
Verbesserter Pflanzenschutz
Bei dem durch ein Expertenteam entwickelten Pestizidplan werden besonders gefährliche bzw. die Artenvielfalt beeinträchtigende Mittel durch weniger gefährliche bzw. weniger kritische ersetzt, Nützlinge gefördert und insbesondere der Einsatz von Insektiziden reduziert.
Alle Produzenten müssen diesen Pestizidplan 1:1 befolgen. Das bedeutet: Besonders gefährliche bzw. kritische Stoffe wie z.B. Glyphosat sind von vornherein tabu. Außerdem dürfen chemische Mittel erst dann zum Einsatz kommen, wenn Nützlinge den Schädlingsbefall nicht mehr kontrollieren können. Dazu wird die Größe der Schädlings- und Nützlings-Populationen bei wöchentlichen Rundgängen auf jeder Farm überprüft und festgestellt, ob das natürliche Gleichgewicht zur Schädlingskontrolle ausreicht. Die Maßnahmen gehen mit einem messbaren Rückgang des Pflanzenschutzmitteleinsatzes einher. 2024 haben die Projektfarmen im Durchschnitt 69 % weniger Pflanzenschutzmittel ausgebracht als im Jahr vor ihrem Projekteinstieg (in kg/ha; bezogen auf 22 von insgesamt 27 Farmen, für die historische Werte vor Projekteintritt vorliegen).
Maßnahmen für Artenvielfalt vor Ort
Der Nationalpark Doñana an der Flussmündung des Guadalquivir ist ein hochdiverses Ökosystem und dient als wichtiges Feuchtgebiet Spaniens unzähligen Zugvögeln als Raststation. Der Artenreichtum des Nationalparks ist aufgrund der sinkenden Wasservorkommen jedoch akut gefährdet. Rund 80% der Wasserentnahmen im Flussgebiet des Guadalquivir entfallen auf die Landwirtschaft. Das Zitrus-Projekt möchte durch die Arbeit zu einer verantwortungsvolleren Wassernutzung auf den Farmen und im Flussgebiet einen Beitrag zum Schutz des Nationalparks leisten und setzt auf den Anbauflächen Maßnahmen zur Förderung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen um
Der massiv reduzierte Einsatz von Herbiziden und Insektiziden, die Aussaat von Blühpflanzen, die Pflanzung von Hecken und Sträuchern oder die Anbringung von Ansitzstangen für Greifvögel sowie Nistkästen als auch „Biodiversitätsinseln“ in Bewässerungsbecken schaffen zusätzliche Strukturen und Lebensräume für Flora und Fauna auf den Projektfarmen.
Auf zwölf Farmen, auf denen Raubwürger und auf sieben Farmen auf denen der Ziegenmelker nachgewiesen werden konnten, wurden Vorschriften zum Schutz der kleinen Vögel eingeführt. Beide Arten finden auf Zitrus-Plantagen normalerweise keine idealen Lebensbedingungen. Die Raubwürger nehmen die neu angelegten Dornenhecken gut an.
Für die ohne Nest am Boden brütenden Ziegenmelker wurden Schutzmaßnahmen eingeführt: Während der Brutzeit dürfen Orangenreihen mit Nestern nicht mehr mit Fahrzeugen befahren werden.
Auch Greifvögel wie Turmfalke, Schleiereule und Steinkauz haben sich auf den Projektfarmen angesiedelt. Sie spielen eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht und helfen im Zitrus-Anbau, da sie unter anderem Wühlmäuse jagen, die Baumwurzeln und junge Baum-Setzlinge schädigen können. Um ihre Ansiedlung gezielt zu fördern, wurden in den letzten zehn Jahren 128 Sitzstangen für die Ansitzjagd errichtet und 47 Nistkästen aufgehängt. Mit Erfolg: Zwischen 2019 und 2024 sind in den Nistkästen über 300 Küken dieser Arten geschlüpft.
Auf den Projektfarmen wurde zudem beobachtet, dass je mehr sich der Insektenreichtum auf den Fincas erhöht, desto mehr kehren neben Vögeln auch größere insektenfressende Tiere wie Reptilien zurück. Dazu gehören seltene und scheue Tiere wie Dachs, Fischotter, Manguste und Gartenschläfer oder auch die Perleidechse als größte Eidechse Europas, welche unter strengem Schutz steht.
Maßnahmen zu Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit
Wir arbeiten außerdem daran, die Bodenfruchtbarkeit zu unterstützen und die natürliche Nährstoffverfügbarkeit sowie Wasserspeicherkapazität zu verbessern. Konventionelle Landwirtschaft geht oft einher mit intensivem Einsatz von Mineraldüngern sowie der Auslaugung, Verdichtung und Erosion des Bodens.
Die Themen Düngung und Bodenfruchtbarkeit werden seit dem Jahr 2018 im Projekt zunehmend in den Fokus genommen. Zwar waren bereits Düngepläne auf den Projekt-Farmen vorhanden, diese wurden jedoch selten genau an die tatsächliche Nährstoffverfügbarkeit der Böden und den Bedarf der Zitrusbäume angepasst.
Eine der grundlegenden Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit muss unmittelbar nach Aufnahme ins Projekt von jeder Farm umgesetzt werden: Beim Schnitt der Bäume sowie bei der Mahd der zwischen den Baumreihen stehenden Pflanzendecken fallen regelmäßig große Mengen an organischer Materie an. Diese verbleiben in gehäckselter Form auf den Anbauflächen und werden nicht verbrannt oder entfernt. Darüber hinaus werden die Böden, wenn nötig, gezielt mit zusätzlicher organischer Substanz angereichert, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern und die natürliche Nährstoffverfügbarkeit sowie die Wasserspeicherkapazität zu verbessern. Zum Einsatz kommen dabei beispielsweise Kompost, Mist oder Mulch.
Einige der Projekt-Farmen liegen in Gebieten, die als „besonders verletzliche Zonen in Bezug auf mögliche Nitrat-Verschmutzung“ klassifiziert sind. Nicht nur die spanischen Behörden, auch das Projekt selbst stellt hier besondere Anforderungen, um Böden und Gewässer zu schützen. Daher verpflichten sich die Farmen beispielsweise zu einer effizienten und bedarfsgerechten Düngung auf Grundlage von regelmäßig durchgeführten Blatt-, Boden- und Wasseranalysen sowie Bodenkarten.
Artenvielfalt fördern durch integrierte Maßnahmen im Zitrusanbau – What the Fact?!
Zitrusfrüchte sind beliebt, doch ihr Anbau kann die Umwelt belasten. Wie es im Zitrusanbau anders laufen kann und welche Alternativen es zum Glas O-Saft gibt, erklärt Cedric von Doktor Whatson in dieser Folge von What the Fact?! By EDEKA – das spannende Wissenschaftsformat zu aktuellen Umwelt- und Klimathemen.