Bioplastik: Bedeutung, Arten, Herstellung und Entsorgung biobasierter Kunststoffe
Bioplastik – was nach einer einfachen Lösung für weniger Kunststoffabfall klingt, ist bei genauerer Betrachtung nicht ganz so simpel. Erfahre, was hinter biobasierten, biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen steckt, wie sie hergestellt werden und worauf du achten solltest, wenn du Bioplastik entsorgen möchtest.
Was ist Bioplastik: Biologisch abbaubar oder Plastik aus Bio?
Mit Bioplastik ist kein einzelner Kunststoff, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Materialien gemeint. Dazu zählen Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, biologisch abbaubar sind oder diese beiden Eigenschaften verbinden. Deshalb kann Bioplastik sowohl „Plastik aus Bio“, also aus pflanzlichen Rohstoffen wie Maisstärke, Zuckerrohr, Zellulose oder pflanzlichen Reststoffen sein, als auch ein Kunststoff, der unter bestimmten Bedingungen biologisch abbaubar ist.
Grundsätzlich klassifiziert man Bioplastik in drei Gruppen:
Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe wie PLA oder PHA – daraus werden etwa Bioplastiktüten hergestellt.
Biobasierte, aber nicht biologisch abbaubare Kunststoffe, zu denen Bio-PE oder Bio-PET gehören.
Fossilbasierte Kunststoffe, die biologisch abbaubar sein können.
Entscheidend zu wissen: Das Wort „Bio“ bedeutet bei Kunststoff nicht automatisch, dass das Material in der Natur schnell verschwindet oder unbedingt deutlich nachhaltiger ist. Wichtig sind vor allem Herstellung, Nutzung, Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit und die richtige Entsorgung. Du interessierst dich für Umweltthemen und Nachhaltigkeit? Dann legen wir dir unsere Tipps zu den Themen nachhaltig einkaufen und plastikfrei essen ans Herz.
Bioplastik aus Maisstärke und Zuckerrohr: so wird es hergestellt
Bioplastik herstellen bedeutet, dass das Material auf unterschiedliche Weise entstehen kann. Bei Materialien auf Stärkebasis, etwa bei Bioplastik aus Maisstärke, wird eben diese Stärke verarbeitet und mit weiteren Bestandteilen kombiniert. So entsteht ein formbarer Kunststoff. Solche Stärkeblends werden unter anderem für Folien, Beutel oder bestimmte Einwegprodukte eingesetzt. Daneben gibt es Bioplastik aus Zuckerrohr: Hierfür wird der Zucker häufig zunächst zu Ethanol vergoren und anschließend chemisch weiterverarbeitet – zum Beispiel zu Bio-Polyethylen, kurz Bio-PE. Dieser Kunststoff basiert zwar auf nachwachsenden Rohstoffen, ist aber nicht automatisch biologisch abbaubar. Er ähnelt in seinen Eigenschaften herkömmlichem Polyethylen und muss entsprechend entsorgt und recycelt werden.
Ein anderes bekanntes Beispiel ist PLA – die sogenannte Polymilchsäure. Dafür werden Zucker oder Stärke zunächst fermentiert. Aus der entstehenden Milchsäure wird im Anschluss ein Kunststoff hergestellt, der unter industriellen Bedingungen kompostierbar sein kann. Für den heimischen Kompost oder die freie Natur gilt das jedoch in der Regel nicht. Dennoch ist ein nahezu plastikfreies Leben möglich: In unseren Alltagstipps zeigen wir dir, wie das gelingen kann.
Wie nachhaltig ist Bioplastik wirklich?
Bioplastik kann in puncto Nachhaltigkeit Vorteile haben, etwa weil es teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird und fossile Ressourcen ersetzen kann. Gleichzeitig ist immer zu bedenken: Für den Anbau der Rohstoffe werden Flächen, Wasser und Energie benötigt. Außerdem lassen sich nicht alle Biokunststoffe gut recyceln. Dazu kommt, dass sich biologisch abbaubare Kunststoffe oft nur unter bestimmten industriellen Bedingungen vollständig abbauen lassen. Aus diesen Gründen gilt auch beim Thema Bioplastik: Mehrweg ist in der Regel besser als Einweg. Und am nachhaltigsten ist es meist, Verpackungen zu vermeiden, Produkte idealerweise mehrfach zu nutzen und jeden Tag auch Abfälle richtig zu trennen.
Übrigens: Bioplastiktüten bestehen je nach Material aus nachwachsenden Rohstoffen oder sind unter bestimmten Bedingungen kompostierbar. Sie sind trotzdem nicht automatisch umweltfreundlich. Besonders bei Einwegprodukten entstehen weiterhin Abfälle, und die Entsorgung ist für Verbraucherinnen und Verbraucher oft schwer zu erkennen. Achte beim Einkauf deshalb nicht nur auf Begriffe wie „bio“, „abbaubar“ oder „kompostierbar“. Aussagekräftiger sind konkrete Hinweise wie „biobasiert“, Angaben zum Anteil nachwachsender Rohstoffe, Recyclinghinweise oder anerkannte Zertifizierungen. Für die Entsorgung zählt am Ende aber immer auch, was deine Kommune erlaubt.
Bioplastik entsorgen – Gelbe Tonne, Biotonne oder Restmüll?
Möchtest du Bioplastik entsorgen, dann kommt es darauf an, um welches Produkt es sich dabei genau handelt. Bioplastik-Verpackungen gehören in der Regel in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Das gilt auch dann, wenn sie als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind. Dank des Kreislaufs können sie über die vorgesehenen Sortier- und Verwertungswege behandelt werden.
Wichtig zu wissen: Kunststoffverpackungen aus Bioplastik gehören grundsätzlich nicht in die Biotonne. Einen Sonderfall bilden kompostierbare Bioabfallbeutel. Wenn diese zertifiziert sind, dürfen sie in die Biotonne – allerdings nur, wenn deine Kommune oder dein Entsorgungsbetrieb das ausdrücklich erlaubt. Viele Anlagen sortieren solche Beutel aus, weil sie sich in der verfügbaren Rottezeit nicht vollständig abbauen oder als Fremdstoff wahrgenommen werden. Im Zweifel gilt: Frage lieber bei deinem örtlichen Entsorger nach und gehe auf Nummer sicher. Darüber hinaus gehört auch Bioplastik niemals in die Natur. Denn „biologisch abbaubar“ bedeutet nicht, dass sich ein Produkt im Wald, im Meer oder am Wegesrand schnell und rückstandsfrei zersetzt. Informiere dich deshalb und achte darauf, Bioplastik richtig zu entsorgen.