Mein Markt
Mein Markt & Angebote

Um Services und Angebote zu sehen, wählen Sie bitte zunächst Ihren persönlichen EDEKA Markt.

Angebote

Informieren Sie sich über aktuelle Angebote.

Rezepte

Entdecken Sie unsere regionalen und saisonalen Rezeptideen.

Genuss - Tipps & Trends

Alle Themen rund ums Kochen, Backen, Einladen und Genießen auf einen Blick.

Ernährungsthemen & Drogerie

Informieren Sie sich, was Sie für eine ausgewogene und bewusste Ernährung beachten sollten.

Ernährungsformen & -konzepte

Erfahren Sie alles über unsere Ernährungsformen, ihre Alternativen und verschiedene Trends.

Lebensmittelwissen

Von A wie Artischocke bis Z wie Zander – erfahren Sie alles über unsere große Liebe Lebensmittel.

Am Grill mit Gerhard Delling

Fußball gucken und nebenbei das Steak im Auge behalten: Für den berühmten Sportjournalisten ist das kein Problem. Lesen Sie hier das ganze Interview.

Herr Delling, wir müssen vorab ein Missverständnis klären: Beim DFB-Pokal-Endspiel 2019 standen Sie das letzte Mal für die ARD vor der Kamera. Sind Sie mit 62 (wird im April 62) Jahren bereits im Ruhestand?

Auf keinen Fall. Ich arbeite gern - wenn es sich nicht nach Arbeit anfühlt. Ich habe danach an einer großen Dokumentation mitgewirkt, allerdings nicht für die ARD. Ansonsten berate ich Einzelpersonen, mache Coachings, etwa was Sprechen und Sprache anbelangt oder Auftreten. Ich lehre an der FHM Hochschule in Hannover Sportjournalismus/Journalismus, kümmere mich um Content und Filme bzw Bewegtbild bei einer App, die hoffentlich bald das Licht der Welt erblickt, entwickele auf Nachfrage Konzepte für TV oder Bewegtbildstories im Netz, schreibe einmal wöchentlich meine Fußball-Kolumne für den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag und habe gerade meinen ersten Roman herausgebracht.

Worum geht’s?

Um eine Unternehmerin, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Ihre Karriere aufnimmt. Das hat nichts mit Sport zu tun.

Klingt nicht unbedingt nach viel Langeweile.

Es hat mich früher schon immer gereizt, ganz unterschiedliche Sachen zu machen. Viele kennen mich als Sportjournalisten, aber ich habe auch politische Berichterstattung gemacht oder zu Wirtschaftsthemen gearbeitet. Das hat mich immer interessiert.

Sie haben sogar mal die Tagesthemen moderiert.

Stimmt, als Urlaubsvertretung für Anne Will. Eine Woche lang. Sollte dann eigentlich regelmäßig als Vertretung sein, passte aber mit meinen anderen Terminen nicht.

Erleben Sie die Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer eigentlich das erste Mal wieder „nur“ als Fan?

Das ist noch nicht ganz sicher - mehr kann ich dazu nicht sagen. In jedem Fall möchte ich mir aber auch gerne ein paar Spiele live im Stadion angucken - wenn es denn möglich ist.

Wir dachten, Sie würden die komplette Fußball-EM vom Sofa aus verfolgen…

Hätte ich auch nichts dagegen, aber soweit wird es wohl nicht kommen.

Sie als Experte müssen es eigentlich wissen: Welche beiden Mannschaften sehen wir im Finale?

Es ist schwerer denn je, das zu prognostizieren. Im Augenblick kann ich nicht so viele Mannschaften erkennen, die einen neuen konzeptionellen Weg gefunden haben. Daher werden es wahrscheinlich wieder die üblichen Verdächtigen sein, die um den Titel mitspielen und etwas mit dem Ball anfangen können, etwa Spanien. Dann darf man logischerweise die Franzosen nicht vergessen, weil sie eben auch sehr gute Einzelspieler haben. Ich halte die Engländer zwar für besser als in den vielen Jahren zuvor, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nach der Krone greifen. Und ich glaube auch, dass der Titelgewinn für die deutsche Mannschaft -vorsichtig formuliert - schwer werden wird.

Was macht denn ein gutes Konzept aus? Wie wird erfolgreicher Fußball gespielt?

Leroy Sané z.B. ist ein sehr schneller Spieler, der braucht aber auch die richtigen Leute um sich herum, damit er erfolgreich ist. Überall da, wo unglaubliche Schnelligkeit im Spiel ist, ist bereits ein großer Vorteil auszumachen – die muss aber auch mal zum Ziel führen.

Eine gut eingespielte Mannschaft mit einem funktionierenden System kann aber genauso erfolgreich sein. Die Geschichte ist also noch nicht zu Ende geschrieben, es bleibt spannend.

Wer ist Ihr aktueller Lieblingsspieler aus der deutschen Nationalmannschaft?

Es gibt schon einige, denen ich gerne zuschaue. Ich mochte auch Jerome Boateng und Mats Hummels sehr gerne. Die Art und Weise, wie sie ein Spiel nicht nur mit kurzen, sondern auch mit langen Pässen aufgezogen haben, das war teilweise berauschend. Das fehlt mir momentan ein bisschen. Es wäre aufgrund der aktuellen Leistungen für mich nur logisch, dass die beiden eine neue Chance in der Nationalmannschaft bekommen. Das gilt insbesondere für Thomas Müller, der Woche für Woche seine Bedeutung für den FC Bayern unter Beweis stellt. Jeder von den Dreien, wenn er in Topform ist, kann etwas Außergewöhnliches auf den Platz bringen. Und keiner hat sich irgendetwas zu Schulden kommen lassen.

In der Vorrunde geht es unter anderem gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal. Ihr Gefühl?

Ich sehe das ganz positiv. Beides sind Abnutzungsspiele, das heißt, die Teams bewegen sich alle auf Augenhöhe. Beide Partien finden in München statt, das sollte ein Vorteil für die Mannschaft von Jogi Löw sein, der eine Vielzahl wirklich guter Spieler auf den Rasen schicken kann. Man kann zwar nicht davon ausgehen, dass wir beide Spiele locker gewinnen, daher wird es sehr spannend, aber ich glaube schon, dass Deutschland weiterkommt.

Welche aktiven oder ehemaligen deutschen Nationalspieler würden Sie denn zu Ihrer Grillparty einladen?

Stefan Kuntz und Bruno Labbadia zum Beispiel kenne ich noch aus ihrer Zeit, als die beiden in den 90er Jahren auf dem Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern spielten. Mit Uwe Seeler, Max Lorenz oder Franz Beckenbauer bin ich ebenfalls gut befreundet, die würden auf jeden Fall ein Stück Fleisch oder die eine oder andere Wurst bei mir bekommen. Thomas Müller wäre auch dabei, ein echter Kerl, der aus einem vernünftigen Elternhaus stammt und bis heute auf dem Boden geblieben ist.

Gibt es so etwas wie Freundschaft zwischen TV-Journalisten und aktiven Profi-Fußballern?

Ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen - bis auf wenige, besondere Ausnahmen. Und das sind dann echte Freundschaften. Aber ich glaube schon, dass es zwischen einem professionellen Journalisten und einem wirklichen Profifußballer einen sehr respektvollen Umgang gibt, mit Hochachtung, positiver sowie negativer Kritik und allem, was dazugehört.

Fußballgucken und gleichzeitig Grillen, das kann ganz schön knifflig sein. Wann wirft man den Grill an? Wie schafft man es, kein Tor zu verpassen? Herr Delling, wie kriegen Sie das hin?

So knifflig finde ich das gar nicht, denn oft reicht es ja schon, wenn ich vom Spiel etwas höre und nicht unbedingt sehe. Ich nutze etwa Spielunterbrechungen gerne dafür, noch einmal schnell das Fleisch auf die andere Seite zu drehen. Man muss nur aufpassen, dass das Spiel nicht zu schnell ist, etwa so wie die Partie Tottenham gegen Leipzig neulich in der Champions League. Da kann ein Stück Fleisch auch mal leicht anbrennen.

Das heißt, Sie müssen nicht zwangsläufig von Ihrem Grill einen Blick auf den Fernseher haben?

Doch, natürlich! Aber ich finde das gar nicht so kompliziert. Das Schöne beim Grillen ist ja, dass die Gäste ebenfalls ständig in Bewegung sind und auch mal beim Grillmeister vorbeischauen, um zu gucken, was da Leckeres auf dem Rost liegt.

Haben Sie schon mal ein wichtiges Tor verpasst, weil Sie kurz unaufmerksam waren oder den Raum verlassen mussten?

Nein, noch nie. Ein Fußballspiel ist für mich wie ein Theaterstück, da renne ich ja auch nicht ständig auf die Toilette. Selbst wenn ich mal den Raum verlasse, höre ich weiter zu. Wenn was passieren würde, wäre ich sofort wieder da.

Was trinken Sie gerne beim Grillen? Zum feinen Rumpsteak ein Glas schweren Rotwein?

Meist trinke ich gerne einen guten Weißwein, aber ich habe festgestellt, dass gerade im Sommer ein kühles, frisch gezapftes Bier auch nicht verkehrt ist. Und nach eigener sportlicher Betätigung auch ein alkoholfreies Weizen.

Herr Delling, Sie leben seit langer Zeit in Hamburg. HSV oder FC St. Pauli?

Ich finde beide Vereine wichtig. Ich habe eine große Affinität zum HSV, weil ich dort schon mein allererstes Bundesligaspiel als Steppke gesehen habe. Aber ich finde auch das Modell FC St. Pauli sehr reizvoll und verlockend. Als Club auch mal ein bisschen einen anderen Weg zu gehen, als andere Vereine. Ich bin sehr gespannt, wie sich das in Zukunft entwickeln wird.

An welchem Club hängt Ihr Herz?

Natürlich klebe ich nah am Hamburger Fußball. Ich lebe ja bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert hier, war aber auch einige Jahre in Baden-Baden und freue mich über die gute Arbeit des SC Freiburg. Allerdings komme ich gebürtig aus Schleswig-Holstein, daher ist es schon immer mein Wunsch gewesen, zum ersten Mal zu erleben, dass es einen Erstligisten aus Schleswig-Holstein gibt. Da sich mein Ursprungsverein, der TSV Büdelsdorf, damit noch etwas schwertut, kann ich nur auf Holstein Kiel hoffen. Die haben im Januar immerhin Bayern München aus dem DFB-Pokal geworfen.

Aber als Kind haben Sie in Bettwäsche von Werder Bremen geschlafen? Oder von Holstein Kiel?

Bettwäsche hätte ich mir sowieso nie gekauft von irgendeinem Verein. Das war irgendwie bei mir nicht angelegt.

Ihr erstes Bundesligaspiel im Stadion?

… wie gesagt beim HSV Mitte der 70er Jahre. Ein 2:1 gegen Hertha BSC. Ich erinnere mich, dass die Zuschauer nach dem Schlusspfiff vor Verärgerung ihre Sitzkissen auf den Platz warfen. Anders als heute ging es nicht nur darum, das Spiel zu gewinnen, sondern man musste Dominanz ausüben, ein gutes Spiel zeigen und engagiert zu Werke gehen. Der Verein hatte durch seine Stars natürlich eine große Anziehungskraft auf mich. Manfred Kaltz, Horst Hrubesch oder auch Uwe Seeler noch aus der Generation davor.

Sie sind vor zwei Jahren 60 geworden. Wenn Sie auf Ihr berufliches Leben zurückblicken: Was waren Highlights? Gibt es Erlebnisse, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Es gab natürlich subjektive Meilensteine, aber ich muss sagen, der Journalismus hat mich die ganze Zeit angeregt und beseelt. Sport ist immer eine ganz wichtige Facette für mich gewesen, aber auch andere Bereiche wie Wirtschafts- oder Gesellschaftspolitik. Während des Reaktorunfalls in Tschernobyl habe ich damals im Radio zwei Stunden lang eine Zeitgeschehen-Sendung moderiert, zu einem Zeitpunkt, als noch niemand wusste, was eigentlich genau passiert war. Das sind natürlich Erfahrungen, die nicht aus dem Kopf gehen. Genauso wie das Interview mit Muhammad Ali, während der Olympischen Spiele 2000 in Sydney - sein letztes in dieser Ausführlichkeit. Weitere Höhepunkte waren die WM-Titel 1990 oder auch 2014, ebenso wie die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England mit Uwe Seeler als Gast im Studio. Dazu die Handball WM- und EM-Titel und die wunderbaren Leichtathletik WMs. Ach, ich könnte hunderte solcher Erlebnisse aufzählen.

Mögen Sie von Ihrer ersten Begegnung mit dem früheren HSV-Trainer Ernst Happel erzählen? Sie waren damals noch blutjunger Reporter und entlockten ihm wider Erwarten Details zu Taktik und Aufstellung – zur Verwunderung Ihrer älteren Kollegen.

Das war beim Spitzenspiel HSV gegen Bayern. Ich wusste, dass er ein Grantler war, aber ich wusste nicht, dass er zu dem Zeitpunkt gerade ein Gelübde abgelegt hatte, überhaupt nicht mit Journalisten zu sprechen. Ich habe ihn dann einfach angesprochen und er hat mir detailliert Auskunft gegeben. Was das bedeutete, habe ich erst danach realisiert, als mich alle anderen verwundert und verärgert anschauten. Die Geschichte mit Happel ist natürlich eine wunderbare, unvergessliche Episode. Aber sie hat mich eigentlich nur in dem Denken bestätigt, das ich ohnehin schon hatte: Dass man immer einfach alles nach bestem Wissen und Gewissen versuchen sollte. Es ist mir auf meinem ganzen Berufsweg immer wieder passiert, dass ich Menschen sprechen konnte oder durfte, von denen es hieß: Das geht nicht. Aber ich habe es einfach probiert, und manchmal ging es tatsächlich nicht. Aber ab und zu eben doch.