ERNÄHRUNG

Irrglaube in Sachen Ernährung
Hartnäckig halten sie sich bis heute die überlieferten Weisheiten, die zum Teil noch aus Omas Küche stammen. Doch seitdem hat sich viel getan und die Ernährungswissenschaft konnte mit so manchem Märchen aufräumen. Einige Irrtümer klären wir hier für Sie auf.
Irrglaube zum Thema Gewicht / Abnehmen:
Machen Light-Produkte schlank?
In einem gewissen Umfang tragen sie zu einer fettreduzierten Ernährung bei. Doch bei Light-Produkten
handelt es sich häufig nicht um kalorienarme, sondern nur um kalorienreduzierte Produkte. So hat z.B. eine
"Light"-Mayonnaise mit nur 50% Fett immerhin pro 100 g noch fast 500 Kalorien! Und wer hiervon zu viel isst,
wird bestimmt nicht schlank! Der Begriff "Light" ist gesetzlich übrigens nicht geschützt und hat keinen eindeutigen
Bezug. "Light" muss also nicht immer weniger Kalorien bedeuten.
Wer abends isst, nimmt zu?
Auch wenn es einleuchtend klingt, es stimmt trotzdem nicht! Fürs Gewicht ist nur entscheidend, wie
viel man am Tag isst, der Zeitpunkt spielt keine Rolle. Eine Studie über zehn Jahre mit mehr als 7.000
Frauen und Männern zeigte, bezogen auf das Gewicht, keinen Unterschied zwischen Früh- und Spätessern.
Sonst müssten zum Beispiel die Menschen rund ums Mittelmeer, wie etwa Spanier mit ihrem
späten Abendessen, die dicksten und ungesündesten Europäer sein.
Sind Kartoffeln Kalorienbomben?
Gegen dieses Vorurteil muss die Kartoffel schon seit geraumer Zeit ankämpfen. Macht man aber die
Probe aufs Exempel, so zeigt sich, dass eine Portion gekochte Kartoffeln lediglich 105 Kalorien enthält.
Die gleiche Menge als Pommes frites dagegen schlagen sich mit 369 Kalorien schon eher auf die
Hüfte. Ähnlich sieht es aus, wenn eine leckere, sahnige Soße zur Kartoffel kommt. Nicht die Kartoffel
selber macht also dick, sondern die Zubereitung mit viel Fett.
Nimmt man mit der Null-Diät ab?
Hier ist ein klares Nein fällig! Denn der Körper schaltet dann auf „Sparflamme“ und kommt dadurch mit
weniger Kalorien aus. Der berühmte Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert. Zudem werden sie sich bei einer
Null-Diät schlapp und abgeschlagen fühlen. Übrigens: Pro 1 kg Körperfett, das man verlieren möchte,
muss man 6.000 bis 7.000 Kalorien einsparen. Effektiver ist es deshalb, jeden Tag etwa 400 bis 500
Kalorien weniger zu sich zu nehmen und auf diese Weise ca. 2 kg Körperfett pro Woche abzunehmen,
so bleibt auch Ihre Leistungsfähigkeit erhalten.
Sollte man völlig auf Fett verzichten?
Fett ist generell der energiereichste Nährstoff und damit der größte Kalorienlieferant. Ein Gramm Fett
enthält 9 kcal! Im Gegensatz dazu liefern Kohlenhydrate und Eiweiß nur 4 kcal pro Gramm, Alkohol
immerhin 7 kcal.Wer abnehmen oder sein Gewicht halten möchte, sollte also den Fettgehalt seiner Nahrung überprüfen. Aber: Fett ist nicht gleich Fett. Pflanzliche Öle, die z.B. aus Raps oder Oliven gewonnen werden, sowie die Fettsäuren aus Fischen sind für eine gesunde Ernährung sogar wichtig, da sie ungesättigte Fettsäuren enthalten. Diese sind für den Menschen essentiell, also lebensnotwendig, denn der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Daher ist es vor allem wichtig, die „richtigen“ Fette zu verwenden.
Machen viele kleine Mahlzeiten schlank?
In Studien konnte dies bisher nicht belegt werden. Es kommt immer auf die Gesamtkalorienzahl an,
die man zu sich nimmt, egal, ob in 3 oder 5 Mahlzeiten.Für viele Menschen sind fünf Mahlzeiten optimal, um die natürliche Leistungskurve positiv zu beeinflussen. Manche Menschen kommen mit drei größeren Mahlzeiten allerdings besser zurecht. Probieren Sie einfach aus, was Ihrem Körper gut bekommt und womit Sie sich am besten fühlen.
Macht Dinner-Cancelling schlank?
Dieses Modewort stammt aus Amerika und bedeutet, abends nichts zu essen. Doch der Verzicht auf
das Abendessen wirkt sich nur dann aufs Gewicht aus, wenn dadurch die Energiebilanz des ganzen
Tages geringer ausfällt, man also tatsächlich die Kalorienzufuhr reduziert hat.
Irrglaube zum Thema Gesundheit:
Führt viel Salz im Essen zu Bluthochdruck?
Früher ist man tatsächlich davon ausgegangen, dass Kochsalz generell für einen Bluthochdruck verantwortlich
ist. Entsprechend fiel die Empfehlung aus, dass Salz in unseren Speisen reduziert werden
müsse. Der Meinung ist man heute nicht mehr. Es gibt allerdings Menschen, die salzempfindlich –
kochsalzsensitiv – sind. Bei ihnen steigt der Blutdruck tatsächlich, wenn sie zu viel Salz essen.
Helfen viele Vitamine auch viel?
Im Gegenteil, Überdosierungen bestimmter Vitamine können sogar die Gesundheit schädigen, warnt
die englische Lebensmittelbehörde Food Standard Agency (FSA). Zu den Vitaminen, die man nicht in
zu großen Mengen und über einen längeren Zeitraum zu sich nehmen sollte, zählen vor allem Beta-
Carotin und Vitamin B6. Auch bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, K kann eine Überdosierung auf
lange Sicht unerwünschte Nebenwirkungen haben. Wer seinen Vitaminbedarf allerdings über eine ausgewogene
Ernährung deckt und ihn nicht in Pillenform einnimmt, geht natürlich nicht das Risiko einer
Überdosierung ein.
Strotzt Spinat vor Eisen?
Leider nicht, denn hinter dieser Aussage steckt ein simpler Rechenfehler: Als ein Wissenschaftler den
Eisengehalt von Spinat berechnete, war er von 100 g getrockneter Ware ausgegangen, die 35 mg Eisen
enthielt. Da das Gemüse aber zu 90 Prozent aus Wasser besteht, bezog sich der Wert tatsächlich
also auf ein Kilo Spinat. Trotzdem versorgt uns frischer Spinat pro 100g immerhin noch mit 4,1 mg Eisen,
tiefgefroren mit 2,1 mg. Das ist deutlich mehr, als die meisten anderen Gemüsesorten mitbringen.
Erhöht der Verzehr von Eiern den Cholesterinspiegel?
Auch diese Aussage ist nicht richtig. Cholesterin wird vom Körper selbst weit mehr produziert, als
durchschnittlich mit Lebensmitteln aufgenommen wird. Für den Menschen ist es lebensnotwendig,
denn es erfüllt wichtige Funktionen im Organismus. Cholesterin ist ein Fettbegleitstoff und kommt
tatsächlich nur in Lebensmitteln tierischer Herkunft vor. Die Aufnahme mit der Nahrung hat auf den
Cholesterinspiegel der meisten Menschen allerdings kaum Einfluss. Dies liegt daran, dass der gesunde
Organismus nur etwa die Hälfte des Nahrungscholesterins über den Darm aufnimmt, während der Rest
ausgeschieden wird. Zudem steuert ein sensibler Regelmechanismus der Leber den Blutcholesterinspiegel:
Wird genügend Cholesterin über die Nahrung angeboten, drosselt der Körper seine Eigensynthese
und umgekehrt. Das in den Eiern enthaltene Lecithin hemmt sogar die Cholesterinaufnahme
im Körper.Übrigens: Der Cholesterinspiegel steigt ernährungsunabhängig mit zunehmendem Alter. Weitere wichtige Einflussfaktoren auf den Cholesterinspiegel sind Körpergewicht, Menge und Zusammensetzung der Nahrungsfette, Ballaststoffzufuhr und Bewegung.
Kann unser Körper innerhalb eines Zeitraumes nur einen Nährstoff verdauen?
Diese These ist durch nichts zu belegen. Das Prinzip der Trennkost, das der amerikanische Arzt
Dr. Howard Hay daraus entwickelt hat, ist nicht gerechtfertigt. Hay empfiehlt die zeitlich getrennte
Aufnahme von kohlenhydrat- und eiweißhaltigen Lebensmitteln. Er teilt die Nahrungsmittel zudem in
Basen- und Säurebildner ein, wobei letztere den Körper durch Übersäuerung krank machen und nur
wenig verzehrt werden sollen. Doch diese Theorien sind wissenschaftlich nicht haltbar. Eine vollwertige
Ernährung ist nach den Prinzipien der Trennkost nicht zu realisieren. Wegen des geringen Verzehrs
an Getreideprodukten, Fleisch, Fisch, Fetten und Milchprodukten besteht die Gefahr einer Mangelversorgung
an verschiedenen Nährstoffen. Die Original Hay’sche Trennkost kann deshalb als Dauerkost
nicht empfohlen werden. (Quelle: Ernährungsratgeber der CMA: Wichtige Fragen – richtige Antworten,
Stand 11/2006)
Irrglaube zum Thema Lebensmittel:
Sollte man kein Wasser auf Steinobst trinken?
Dieser Rat stammt aus früheren Zeiten, als das Trinkwasser noch deutlich mehr Keime enthielt als
heute. Zusammen mit viel Obst konnte es durchaus zu Magenproblemen kommen. Wenn Sie Obst vor
dem Verzehr gründlich waschen und in normalen Mengen essen, können Sie danach heute ruhig ein
Glas Wasser trinken.
Darf man Pilze nicht aufwärmen?
Ein klares "Jein". Pilze sind durch ihren hohen Wasser- und Eiweißgehalt der ideale Nährboden für
Mikroorganismen. Wenn man jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet, darf man ein Pilzgericht
durchaus wieder aufwärmen. Kühlen Sie es nach dem ersten Garen rasch ab, indem Sie es z. B. in
Eiswasser stellen. Danach können Sie es im Kühlschrank zugedeckt bei maximal +4 °C einen Tag aufbewahren.
Beim erneuten Aufwärmen sollten die Pilze auf mindestens 70 °C erhitzt werden.
Ist frisches Gemüse generell gesünder als tiefgekühltes?
Natürlich geht nichts über frisches, knackiges Gemüse. Allerdings verliert länger gelagertes Frischgemüse
an Nährstoffen. Das vermeidet man mit tiefgefrorener Ware. Hierfür wird das Gemüse in der
Regel frisch vom Feld schockgefroren.
Ist frisches Brot ungesund?
Das stimmt natürlich nicht. Das Einzige, was passieren kann, wenn man viel frisches Brot isst, sind
Blähungen. Die Behauptung ist vermutlich auf die Umstände in jener Zeit zurückzuführen, als Brot
noch in der Ernährung eine tragende Rolle spielte und man nichts verschwenden wollte oder konnte.
Zuerst sollte immer das „alte“ Brot gegessen werden, bevor der frische Laib angeschnitten wurde.
Um dies vor allem den Kindern schmackhaft zu machen, hieß es eben, frisches Brot sei ungesund.
Zählt Milch zu den Getränken?
Obwohl man Milch trinkt, zählt sie in der Ernährungswissenschaft nicht zu den Durstlöschern, sondern
zu den Energielieferanten. Milch versorgt uns mit Eiweiß, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen
– ein Wasserlieferant ist sie in erster Linie nicht.

