BIO PORTRAIT
Die Welt ist das Feld
und sein Westhof in Friedrichsgabekoog

Im Norden Schleswig-Holsteins ist das Land platt und "Plattdütsch" die Sprache dieses Landstrichs. Wir befinden uns in Dithmarschen und die Orte heißen Augustenkoog, Gotteskoog, Kronprinzenkoog oder eben auch Friedrichsgabekoog. Köge sind dem Meer abgetrotzte Marschlande und die alten Höfe mit ihren tief gezogenen Reetdächern trotzen noch heute Wind und Wetter. Der Blick schweift ungehindert über Land und Meer, der Himmel ist weit und meist vom wilden Wolkenspiel belebt. Sonst gibt es eigentlich nicht so viel zu sehen. Felder allenthalben, ab Spätsommer und Herbst gekrönt von verschiedenfarbenen Kohlköpfen. Oh, und natürlich erheben sich hier zahlreiche Windkraftanlagen in luftige Höhen.
 
Dithmarschen ist traditionell Agrarland, Felder und Hof werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Familie Carstens allerdings macht da eine Ausnahme. Sie erwirbt "erst" 1972 den Westhof in Friedrichsgabekoog.1978, gerade 20 Jahre jung, beginnt Sohn Rainer mit der Bewirtschaftung des Hofes. Eine ganz bewusste Entscheidung. Er startet mit 110 ha Fläche, die zunächst konventionell bewirtschaftet werden. Schon zu jener Zeit findet auf dem Westhof auch die Weiterverarbeitung und Vorvermarktung statt.
 
Bio aus persönlicher Überzeugung
1989 stellt Rainer Carstens seinen Hof auf ökologische Landwirtschaft um. Keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern ein Prozess, der sich bestimmt über 5 Jahre hingezogen hat. Die Gründe dafür? "Zu 50% persönlich", sagt Rainer Carstens, um sich gleich zu verbessern: "Wohl doch eher zu 100%." Wie viele Menschen gerät auch er ins Grübeln, als die Familie Nachwuchs erwartet. Und ihm wird klar, dass es der Mensch ist, der am meisten Einfluss auf die Qualität seiner Nahrungsmittel hat - und auf seine direkte Umwelt. Diese Einsicht lässt ihn jetzt ganz neue Wege gehen.
 
 
Rainer Carstens schließt sich dem Bioland Verband an und stellt seine Landwirtschaft auf die strengen ökologischen Richtlinien um. Für diese nachhaltige Form der Landwirtschaft und in jenen Jahren sind 110 ha Fläche viel. Weil damals die kleinen Bio-Läden diese Mengen an Gemüse gar nicht abnehmen können, geht Rainer Carstens auch im Vertrieb neue Wege. Schon bald beliefert er direkt den Lebensmitteleinzelhandel, vor allem EDEKA.
 
 
Öko wird ok – und Trend
Im Laufe der Jahre baut Landwirt Carstens seinen Betrieb aus. "Bio" boomt und die einst belächelten Öko-Freaks werden von den bewussten Genießern abgelöst. Auch ein Bio-Bauer wie Rainer Carstens versteht sich heute als moderner Unternehmer. Inzwischen hat er mit dem Nachbarhof eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gegründet und gemeinsam bewirtschaften die Landwirte nun eine Fläche von rund 500 ha mit 10 Festangestellten in der Landwirtschaft und rund 60 Beschäftigten in der Vermarktung. Was vom Feld auf den Hof rollt, wird gleich gesäubert und handelsgerecht verpackt. Da geht keine Minute verloren und schon kurz nach der Ernte steht das Gemüse aus Dithmarschen bei EDEKA in der Obst- und Gemüseabteilung - einfach zum Anbeißen. Heute ist Öko-Landwirt Carstens auf 10 Kulturen spezialisiert, früher waren es rund 40. Bei ihm gedeihen die norddeutschen Gemüseklassiker: Möhren, Porree, Brokkoli, Kohl, Blumenkohl, Kartoffeln, Sellerie, aber auch köstliche Erdbeeren ... Die Chance ist groß, dass Schleswig-Holsteiner, Hamburger und Niedersachsen schon mal an einer Möhre aus Friedrichsgabekoog geknabbert haben ... ein ganz natürlicher Genuss.

 
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